Die Vorgeschichte von Emmelshausen

 

Das heutige Emmelshausen hat eine sehr junge Geschichte, doch wurde bereits im 16. Jahrhundert ein Ort namens Emmelshausen oder Emmelshausen zerstört.

In einer im 10. Jahrhundert entstandenen Rodungssiedlung auf dem höchsten Punkt des nördlichen Hunsrücks (außer Fleckertshöhe) entwickelte sich der Ort. In einer alten Urkunde vom 7. Mai 1379. in der Konrad von Schöneck eine Verzichtserklärung abgab, wird der Ort zum erstenmal genannt. Bereits die Römer hatten Wege über den Hunsrück gebaut und Wachtürme errichtet, davon zeugt noch die Römerstraße.

 Eine Feuersbrunst, durch die Schwedensoldateska, lt. Staatsarchiv 1636 gelegt, zerstört den Ort Emmelshausen. Der Ort stand einst um den Emmelser Bur (Bur= Born + Brunnen) der heute noch erhalten zwischen den Orten Liesenfeld - Basselscheid u. Emmelshausen liegt. Der Emmelser o.,,Wiebelsbur“ ist nicht eine Originalquelle, sondern ein Endpunkt einer mit losen Steinen gemauerten Wasserleitung,

die vom Klöppchen her gelegt wurde. Wenn der Emmelser Bur einmal in die Bebauungszone rückt, werden wir sicherlich mehr über das alte Emmelshausen erfahren.

Nach der Zerstörung dieses Ortes siedelten sich die restlichen Bewohner in das bessere (Basse=Bassel) Feld, sie schieden in das Basselscheid. Andere Einwohner zogen in das an der Lichtung (franz. Lisire) nördlich gelegene Feld, daraus entstand sicherlich der Name Lisierefeld, später Liesenfeld. Eine andere Deutung sagt aus, dass die Bas nach dem Scheid zog (Basselscheid), und das Lies nach dem Feld zog = Liesenfeld. Die erstere Namensgebung ist wahrscheinlicher. Auch das für die Landwirtschaft nicht geeignete nasse Feld zwischen Liesenfeld und Gondershausen wird ,,Scheid“ genannt, da es die Orte beziehungsweise gutes und schlechtes Land scheidet.

 Liesenfeld lag tiefer und nördlicher als heute. Mauerreste deuteten die alte Kirche an, die tiefer als das heutige Haus von Eduard Breder lag. Ein Flurweg in der Nähe heißt noch ,, Kirchweg‘ und die Bezeichnung in den Emmelser - oder Emmdergärten gibt es heute noch.

 Basselscheid lag auch ewas tiefer, als der unterste Brunnen noch darauf hindeutet. Die früheren Bewohner bauten an die tieferen Stellen, wo das Wasser aus dem Boden trat. Der unter dem Brunnen gelegene Friedhof (heute nicht mehr vorhanden) deutet darauf hin, dass auch in dieser Nähe die erste Kapelle stand und sogar ein Pfarrhaus stand wie Bürger erzählen. Die jetzige Basselscheider Kirche entstand vor der Jahrhundertwende. Ältere Bewohner wissen noch, dass der damals moderne Backsteinbau von Männern aus Sabershausen gebaut wurde, welche die Ziegel in Basselscheid formten, trockneten und dort selbst brannten.

Die junge Geschichte von Emmelshausen

 

Am Anfang war der Wald

 

und in diesem Hunsrücker Wald projektierten Ingenieure eine Eisenbahn. Die Bauern hatten Angst, dass das schnaufende Dampfross das Vieh zum Scheuen bringen würde. daher wurde die Eisenbahn weit um die Dörfer gebaut. Die Bahnführung sollte ursprünglich von Koblenz aus gehen oder durch das Gründelbachtal von St. Goar auf die Höhe führen. Die Bopparder schenkten der Eisenbahnverwaltung die benötigten Gebiete ihres Stadtwaldes, und somit führte der steile Schienenweg durch 5 Tunnels und über zwei Brücken an der Fleckertshöhe vorbei auf den Vorderhunsrück. Auch Gondershausen sollte an die Bahn angeschlossen werden, um den Abtransport der landwirtschaftlichen Produkte aus den fruchtbaren Gebieten von Beulich und Morshausen besser zu ermöglichen. Auch die Bauern von Gondershausen befürchteten, dass ihr Vieh scheuen würde, sie wehrten sich heftig gegen das Bahnprojekt, ein Glück für das spätere Emmelshausen.

 In den Jahren von 1906 - 1908 wurden Bahn und Bahnhof gebaut. Die Worte Bahnhof Halsenbach waren noch bis vor einigen Jahren im Schimmer der alten Farbe unter dem heutigen Namen zu lesen.

 Der Heilpraktiker Pies (im Volksmund Knochenflicker genannt), freite zu dieser Zeit seine spätere Frau Therese, geb. Wagner, in Halsenbach.

Er scheute nicht vor der Bahn und dem Bahnhof, sondern witterte die Bedeutung dieses Verkehrspunktes zwischen Rhein- und Mosel. Er baute gleichzeitig ein Wohn- und Gasthaus das ,,Gasthaus zum Bahnhof‘, das heutige ,,Hotel Waldfrieden‘. Im Jahre 1908 wurde die Gaststätte eröffnet. Somit war er der erste Bürger von ,,Bahnhof Halsenbach“.

 Seine Spekulation ging auf, viele Bauern, die nach Boppard mit der Bahn fuhren, machten in seinem Hause Rast, labten sich an Speis und Trank. Der sonntägliche Ausflug auf die ,, Galgenhöhe‘, wie dieses Waldgebiet genannt wurde, nach einer früheren Gerichtsstätte, die dort gewesen sein sollte, war eine Attraktion, einen Bahnhof zu sehen war ein Erlebnis. Die Kranken mit Verrenkungen, Brüchen oder Hexenschuss kamen von weit und breit zu dem tüchtigen, wenn auch etwas unsanften Knochenflicker, der mit kräftigen Händen die Knochen wieder ins rechte Lot brachte. Opa Pies war ein Original, ein echt Hunsrücker, im 86 Lebensjahre verstarb er. 1938 übernahm seine Tochter Hedwig mit ihrem Mann Matthias Ring, das Gasthaus, die es nach Vergrößerung und Umbau der Scheunen in ein Gästehaus, 1966 an die Tochter Waltraud und ihren Mann Georg Schimmelpfennig übergaben. Soweit die Geschichte des ersten Bürgerhauses von Emmelshausen.

 Nach dem Gasthaus Pies siedelten sich mehrere Bürger in das Gebiet ,Galgenhöhe oder ,,Bahnhof Halsenbach“ an. Bereits 1909 war das Haus Weber gebaut worden. Eine Kölner Großhandelsfirma hatte in dem Hause Weber eine Filiale errichtet, damit viele Landwirte, die um des besseren Verdienstes willen auf den Handel gingen, ihren Textilbedarf hier einkaufen konnten, um ihn bis nach Berlin hin zu verkaufen. Die Hausierer vom Hunsrück zogen mit ihren auf dem Rücken getragenen Textilbündeln in alle deutschen Lande. Gegenüber von Weber, in dem jetzigen ,,Gasthaus Galgenhöhe“ war die Baustoffhandlung Vogt untergebracht.

 Im Jahre 1908 war auch das Versandhaus der Thaumaquelle Sauerbrunnen in Emmelshausen gebaut worden, die jetzige Firma Schank. Der Brunnenbesitzer Leutheuser hatte eine eigene Wasserleitung von Sauerbrunnen in das Versandhaus legen lassen. Von hier gelangte das Heilwasser in alle Welt. Das Geschäft blühte nur kurzfristig. Es folgte eine Champignonzucht, und später richtete die Reichsstelle für Getreide ein Fruchtlager ein, bis 1939 die Firma Schank das damals größte Gebäude von Emmelshausen übernahm.

 

Im Jahre 1923 riss ein gewaltiger Sturm die Tannenbäume zwischen dem ersten Haus Pies und dem Haus Reuter an der Kreuzung um. Die Halsenbacher ließen dieses Gebiet nicht aufforsten, sondern verkauften dort, um das Gebiet des heutigen Marktplatzes, einige Bauplätze.

 

So entstand die Firma Kann, nicht als Großstrickerei, sondern als Zwei-Personenbetrieb mit einer Handstrickmaschine. 1923 wurde das erste Haus auf Dörther Gebiet gebaut, das alte Forsthaus. 1920 zählte die Ansiedlung 26 Personen, davon 10 Halsenbacher und 16 Basselscheider. Das Gebiet auf Dörther Gerechtigkeit war 1920 noch nicht bebaut. 1929 wurde die Landwirtschaftsschule auf dem von der Gemeinde Dörth an den Kreis St. Goar geschenkten Platz errichtet.

 

Die Bürger vom Bahnhof wurden vor ihren Muttergemeinden recht und schlecht mitverwaltet. Ehe eine gezielte Wohnbaupolitik betrieben wurde maß man der Ansiedlung wenig Bedeutung zu. Halsenbach ließ bereits 1926 einen Bebauungsplan erstellen. 1928 gründeten die Bürger einen Wasserversorgungszweckverband.

 

Zwischen der Häusern Boos und Kann grub man einen 24 mtr. tiefen Brunnen, der täql. 36 cbm Wasser lieferte. Das Wasser pumpte man in den Hochbehälter auf der Gallscheider Höhe.

 

Mittlerweile regierten drei Bürgermeister (Halsenbach, Dörth, Basselscheid) über die kleine Siedlung, die aber ständig wuchs und Probleme schaffte.

 Zur Klärung der Verwaltungsangelegenheiten wurde im Jahre 1934 eine Bürgerversammung einberufen, an der die Gemeinden, der Regierungspräsident Turner, der Landrat Dr. Statz und Amtbürgermeister Pecher teilnahmen. Wenn man sich schon nicht einigen konnte, so wollte man doch wenigstens einen Namen für den Ort finden. Nach dem Regierungspräsidenten benannt, würden wir heute in ,,Turnerhöhe“ wohnen, doch die Verdienste des Regierungspräsidenten wurden für nicht groß genug erachtet.

 Der Entstehung des Namens Emmelshausen ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Hier soll nur festgestellt werden, dass der Lehrer und Heimatforscher Valerius von Emmelshausen-Halsenbach unserer Gemeinde den Namen ,, Emmelshausen gab.

 Nach vielen Verhandlungen einigte man sich unter gewissen Bedingungen auf bestimmte Grenzkorrekturen. Die Liesenfelder waren froh von der 16 km entfernten Amtbürgermeisterei Brodenbach an der Mosel loszukommen. So mancher Liesenfelder ist älter als der Geburtsschein aussagt, da der Vater erst verspätet den Fußmarsch zum Amt antrat. denn erst ab 1920 fuhr der erste Postomnibus. Zu erwähnen sei noch, dass das elektrische Licht 1921 in die Gemeinde kam.

  

Der Erlass des Oberpräsidenten vom 15. Juni 1935 besiegelte die neue Gemeinde Emmelshausen, bestehend aus den Ortsteilen Emmelshausen Bahnhof, Liesenfeld und Basselscheid.  

  Die Bürgermeister der gesamten Gemeinde Emmelshausen

Ohne Berücksichtigung der Ortsschöffen

1935 - 1945

Josef Bach  E-Basselscheid

1945 - 1946

Josef Christ  E-Basselscheid

1946 - 1952

Phillip Krautkremer  E-Liesenfeld

1952 – 1960

Phillip Henrich  E-Liesenfeld

1960 – 1969

Heinrich Busch  Emmelshausen

1969

Alfred Reuter  Emmelshausen